Ronon hat geschrieben: ↑23. Januar 2026, 17:20
Für das was in letzter Zeit so im Iran so ab gelaufen ist und das was noch kommen wird weiß man nicht genau wer dahinter steckt nicht nur die Regierung. Man könnte meinen das auch eine Regierung von außerhalb da mit mischt ähnlich wie im arabischen Frühling oder was meint ihr?
Ich glaube nicht, dass eine ausländische Regierung dahintersteckt. Dieses Gerücht wird von der Mullah-Diktatur verbreitet, um vom eigenen Totalversagen abzulenken. Die Mullahs haben aber wohl schiitische Milizen aus dem Irak gerufen, die wohl gar keine Skrupel haben, auf Iraner zu schießen.
Wer sich langfristig informieren will, warum der Schah überhaupt 1953 an die Regierung kam und wie durch Repressalien des Schahs der Umsturz 1979 durch Khomeini und die theokratische Diktatur im Iran, dem sei empfohlen nach "Operation Ajax" zu suchen, ein Umsturz im Iran (geplant von Churchill und Eisenhower) , der einen demokratisch im Iran gewählten Premierminister 1953 stürzte. Damals - welch eine Ironie - unterstützt vom islamischen Großajatollah, der das Volk zum Aufstand anstachelte. Vorangegangen war die Verstaatlichung der Anfang des 20.Jahrhunderts von Briten in iran (!) gegründeten BP (hier vorher anders).
Wie auch immer, Im Westen wird oft nur sehr kurzfristig oder mittelfristig gedacht. Wieso hat der Westen die in den späteren Jahren immer sichtbarere Diktatur des Schah immer noch unterstützt? Wieso hat Frankreich bis 1979 einem radikalen Prediger Asyl gewährt (Khomeini)? Das Volk war 1979 auf Seiten der Islamisten und erhoffte sich ein besseres und freieres Leben.
Wie wir jetzt wissen, kam es für das Volk schlimmer, als es vorher war.
Chamenei, der schon Jahrzehnte der alles bestimmende, religiöse (und politische, wirtschaftliche, militärische usw) Führer der Iran ist, hätte über 40 Jahre Zeit gehabt, das Leben für sein Volk zu verbessern. Stattdessen werden die USA und Israel verteufelt und das eigene Volk stark unterdrückt.
Hat es jemals in der Menschheitsgeschichte eine radikale, theokratische Regierung gegeben, die es für das Volk besser gemacht hätte? Leider nein.
Starke Unterdrückung der Frauen bis hin zu Bekleidungsvorschriften, die so nirgends im Koran stehen. Durch die Unterdrückung der Frauen hatten es die Männer eine Zeitlang besser. Theokratische oder kommunistische oder andere "sendungsbewußte" Regierungen versuchen immer, ihr Modell ins Ausland zu exportieren. Also gibt Iran in den letzten Jahrzehnten massenhaft Geld für Hisbollah, Hamas, den Aufstand im Jemen aus - Geld, das alles leider nicht dem eigenen Volk zu Gute kommt.
Dann hat der Iran ein verschachteltes System mit eigentlicher Armee sowie den Revolutionsgarden und zusätzliche Milizen, die machen, was immer die Mullahs befehlen. Niedergeschlagen wurden die Proteste weniger von Polizei oder Armee sondern von Revolutionsgarden und Milizen. Und das ohne Rücksicht auf Verluste. Ähnlich wie das Massaker, das die Chinesen um den jetzt hochgelobten Deng Xiaoping 1989 auf dem Platz des "Himmlischen Friedens (!!!)" in Peking unter friedlich Demonstrierenden angerichtet haben.
Die eigene Währung stürzt ins Bodenlose, die Menschen wissen nicht mehr, wie sie sich ernähren sollen, weil die Löhne lächerlich sind. Die Kleptokratie der Mullahs und Helfershelfer von den Revolutionären Garden haben sich sinnlos bereichert - auf Kosten des Volkes. Selber prassen die Mullahs seit Jahrzehnten und lassen das Volk mehr und mehr leiden.
Da war es nur eine Frage der Zeit, bis es zu einem Aufstand kam, dieses Mal durch die eigentlich sehr konservativen Händler im großen Basar von Teheran. Galoppierende Inflation, Währung stürzt ins Bodenlose, Menschen können sich Lebensmittel kaum noch leisten. Die Händler, denen es eigentlich immer recht gut ging, waren aber in den letzten Jahren auch von dieser großen Misere betroffen. Den Demonstrationen der Händler haben sich dann alle möglichen Volksgruppen angeschlossen. Leider aber nicht Armee und Polizei, da die Mullahdiktatur Angehörige derselben gut versorgt hat, um zu vermeiden, dass diese zum Volk überlaufen.
Noch viel besser versorgt sind die Revolutionsgarden, die sich wie ein giftiger Pilz alle guten Wirtschaftszweige angeeignet haben bzw. Beteiligungen erpressen, falls sie sehen, dass tatsächlich jemand guten Gewinn mit irgendeinem Geschäft macht. Die RG werden also nie zum Volk überlaufen, da sie um ihre großen Pfründe fürchten und habe ja auch die Demonstrationen äusserst brutal niedergeschlagen.
Ich glaube aber trotzdem nicht, dass die Mullah-Diktatur noch länger als 5 oder 10 Jahre existiert. Dafür ist der Druck und die Wut im Volk viel zu groß. Sobald es eine Leitfigur gibt- die vom Volk geschützt ist und über Internet oder Star-Link den Aufstand im Inland organisiert, ist es mit der Mullah-Diktatur vorbei.
Der jetzige Aufstand hatte keinen wirklichen Führer, daher war er zum Scheitern verurteilt. Und Trump hat ja leider versprochen zu helfen und hat dann doch gekniffen. Da hätten sich die Iraner mal erinnern sollen, als die USA die Schiiten im Irak vor Jahrzehnten aufgefordert hatten, sich im Irak Saddam Hussein in einem Aufstand zu entledigen, und auch da haben die USA nur zugesehen, dass der Aufstand in einem Blutbad endete. Trump hätte lieber den Mund halten sollen.
Dass die EU aber immer noch Geschäfte mit den Massenmördern der republikanischen Garden macht und nicht längst die Beziehungen zum Iran gekappt und die Gelder eingefroren hat, ist eine große Schande für uns.
P.S.: hatte das mit dem umsturz 1953 und der vorherigen verstaatlichung der vorgängerfirma von bp durch den iran noch im kopf. Habe gerade mal nachgelesen: superinteressant, die BP war ursprünglich eine Tochterfirma einer von der Deutschen Bank gegründeten Ölfirma in Deutschland. Diese Tochtergesellschaft in england wurde dann vom UK im 1. Weltkrieg übernommen, deutschl. enteignet. Die ganze Misere fing an, als die Vorgängerfirma der BP sowie das UK den Hals nicht vollkriegen konnten und den Iran übervorteilen wollten. Spannender als jeder Krimi.